Unser Informationsservice zum Thema

ANTIDEPRESSIVA
Mittel gegen Depression, Thymoleptika, Thymoanaleptika

Die Verordnung von Antidepressiva (= Mittel gegen "traurige Verstimmung") im Rahmen einer Schmerztherapie setzt eine umfassende Aufklärung des Patienten über diese Indikation (= Anzeige) und mögliche Nebenwirkungen voraus. Sie wird oft abgelehnt, da viele Patienten die Gabe von Psychopharmaka wie eine psychiatrische Etikettierung empfinden und sich dadurch diffamiert fühlen.

Als zusätzliche Medikation oder allein eignen sich zur Schmerztherapie hauptsächlich

Tri- und tetrazyklische Antidepressiva

Wir beschränken uns im folgenden auf eine überschaubare Anzahl gut untersuchter Präparate, die sich auch bei uns bewährt haben.

Eine medikamentöse Behandlung mit Antidepressiva (Synonyma (= weitere gebräuchliche Bezeichnungen): Thymoleptika, Thymoanaleptika) ist in erster Linie bei endogenen (= aus innerer Ursache entstandene, anlagebedingte) Depressionen (= "traurige Verstimmung") indiziert (= angezeigt). Wegen des affektiv (= die Gefühlswallung betreffenden) distanzierenden Effektes, mit Anhebung der Schmerzschwelle, und ihrer analgetischen (= schmerzlindernden) Potenz eignen sich Antidepressiva zur adjuvanten (= in Arzneimitteln ein selbst unwirksamer, aber die Wirkung der anderen Komponenten fördernder Bestandteil) Schmerzbehandlung wie auch zur primären Therapie chronischer Schmerzzustände. Die affektiv distanzierende Wirkung führt zur Anhebung der Schmerzschwelle und entfaltet dadurch einen analgetischen, schmerzmittel potenzierenden und schmerzmitteleinsparenden Effekt. Darüber hinaus lassen sich sekundär entstandene (= z.B. auf chronische Schmerzen zurückzuführende) depressive Neigungen (aber auch primäre, schmerzunabhängige) meist günstig beeinflussen.

In der Regel treten zu Beginn der Behandlung die sedierenden (= beruhigenden) und die unerwünschten vegetativen (= z.B. vermehrtes Schwitzen) Eigenschaften auf, nach etwa einer Woche kommt die antriebssteigernde (thymeretische) Wirkung hinzu. Erst nach 2-3 Wochen ist mit dem depressionslösenden, stimmungsaufhellenden (thymoleptischen) Effekt zu rechnen.
Da alle Antidepressiva in unterschiedlicher Ausprägung eine sedierend anxiolytisch (= beruhigende, angstlösende), depressionslösende oder auch eine antriebssteigernde (hemmungslösend) Wirkung entfalten können, erfolgt der Einsatz eines geeigneten Antidepressivum s generell nach der jeweiligen Leitsymptomatik des depressiven Zustandbildes unter besonderer Berücksichtigung bestimmter Zielsymptome.

Empfehlenswert ist eine einschleichende (auch ausschleichende) Dosierung, wobei die antidepressive (= gegen die traurige Verstimmung gerichtete) Tagesdosis in den ersten drei Tagen aufgebaut wird. Ab dem vierten Tag wird dann auf die Erhaltungsdosis umgesetzt. Zweckmäßigerweise werden bei sedierenden Antidepressiva zwei Drittel der Gesamtdosis abends verabreicht. Die zur Schmerztherapie erforderlichen Psychopharmaka-Dosierungen sind allgemein niedriger anzusetzen.
Durch parenterale (= unter Umgehung des
Magen / Darm -Traktes, also als Spritze, Infusion) Applikation, z.B. durch Infusionstherapie, wird ein rascherer Wirkungseintritt erzielt, eine Stimmungsaufhellung zeigt sich häufig schon nach wenigen Tagen.

Sehr bewährt haben sich Kombinationen, so die Gabe eines antriebsteigerndes Mittel morgens und mittags und abends dann die Verordnung eines sedierenden (= beruhigenden und damit schlaffördernden) Medikaments.

Tabelle: Wirkungsspektren der wichtigsten, antidepressiv wirkenden Psychopharmaka

A n t i d e p r e s s i v a ---------------(Klassifizierung*)          Zielsymptome
---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

stimmungsaufhellend:

Clomipramin (z.B. Anafranil®) a depressive Stimmung
Desipramin (z.B. Pertofran®) a depressive Stimmung
Maprotilin (z.B. Ludiomil®) b Gedrücktheit
Mianserin (z.B. Tolvin®) b Grübelzwang
Nortriptylin (z.B. Nortrilen®) a Gewißheit von Schuld

sedierend anxiolytisch (= beruhigend, angstlösend):

Trimipramin (z.B. Stangyl®) a Angst, Getriebenheit
Amitriptylin (z.B. Laroxyl®) a Hypochondrie (= u.a. gesteigerte Selbstbeobachtung)
Amitriptylinoxid (z.B. Equilibrin®) a Erwartungsangst
Maprotilin (z.B. Ludiomil®) b innere Unruhe
Opipramol (z.B. Insidon®) a Selbstanklage
Venlafaxin (z.B. Efexor®) c Angst, soziale Angststörung
Doxepin (z.B. Aponal®) a Jammern
Duloxetin (Cymbalta®) c depressive Stimmung und Schmerzen (zugelassen zur Beh. der diab. Polyneuropathie)

antriebssteigernd:

Nortriptylin (z.B. Nortrilen®) a Antriebsschwäche
Clomipramin (z.B. Anafranil®) a Ideenarmut
Fluoxetin (z.B. Fluctin®) c Entscheidungsschwäche
Fluvoxamin (z.B. Fevarin®) c Unentschlossenheit

-----------------------------------------------------------------------------------------
*Klassifizierung (modifiziert nach Kielholz 1972):
a trizyklisches Antidep ressivum
b tetrazyklisches Antidep ressivum
c Serotonin-Wiederaufnahmehemmer
d nicht "klassifizierbares" Antidep ressivum

Vegetative Nebenwirkungen (z.B. Schwitzen, Schwindel, Gewichtszunahme) sind vor allem bei den zuerst entwickelten trizyklischen Antidepressiva vorherrschend, bei den tetrazyklischen, insbesondere bei "nicht klassifizierbaren" Antidepressiva, werden diese jedoch weniger beobachtet.


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